Mein Gartenjahr: April und Mai

Kalt war es, kalt und ungemütlich. Der April und insbesondere der Mai zeigten sich hier im Norden von ihrer schlechteren Seite. Die schönen Tage ließen sich an wenigen Fingern abzählen und die Natur ist entsprechend noch weit zurück. Selbst die große Eiche im Garten hatte sich dazu entschlossen, ihre Blätter erst Ende Mai auszubreiten. Während in diversen Ratgebern empfohlen wird eben zu dieser Zeit bei Stauden den sogenannten Chelsea Chop (starkes Zurückschneiden um kompaktes Wachstum anzuregen) durchzuführen, freute ich mich dieses Jahr über gerade mal handbreit hoch gewachsene Pflanzen. Jetzt, Mitte Juni sieht die Sache natürlich schon ganz anders aus; das feuchte Wetter und die dann einsetzende Wärme haben die Beete (und die Unkräuter) quasi explodieren lassen.

Tiarella ‚Sugar and Spice‘

Dem Wetter entsprechend habe ich im April und im Mai keine größeren Projekte im Garten gestartet. Das herausragendste Ereignis war wohl das Kappen großer Teile der Eberesche (Sorbus aucuparia), die neben dem Haus wächst. Bereits letztes Jahr bildeten sich lange Risse in der Rinde und hier und da fing sie an, sich einfach abzuschälen. Ich vermute, dass der Baum durch die lange Trockenheit letztes Jahr anfällig für eine Pilzerkrankung geworden ist. Zwei der vier Stämme habe ich mit tatkräftiger Unterstützung herausgeschnitten und sie entpuppten sich als komplett leblos und äußerst spröde. Der dritte Stamm hat noch Blätter bekommen, zeigt aber auch bereits die gleichen Symptome und auf Strecke wird vermutlich der ganze Baum absterben, was sehr schade ist. Die Eberesche ist mit ihren fiederartigen Blättern und den roten Beeren sehr dekorativ.

Erkrankung an der Eberesche
Apfelblüte
Moossteinbrech

In meinem Garten wachsen einige Kirschlorbeer-Büsche (oder Lorbeerkirsche) und ich möchte sie nach und nach gegen sinnvollere Gewächse austauschen. Zwar sind die weit verbreiteten Heckenpflanzen immergrün und mit den dunklen Blättern und weißen Blüten nicht hässlich, ihr Nutzen für die heimische Tierwelt ist jedoch äußerst gering und sie verbreitet sich über Aussaat recht nervig. Einzig an der Grundstücksgrenze darf sie sich zwecks Sichtschutz gern austoben. Unter dem Apfelbaum ist im Mai ein relativ großer Kirschlorbeer einem Beet gewichen, wo bisher Funkien und Storchschnabel wachsen. Gerade die Blüten des Storchschnabels sind ständig von einer ganzen Schar Hummeln und Bienen umschwärmt. Im Laufe des Jahres wird sicher noch einiges an Pflanzen dazu kommen.

Im gleichen Atemzug habe ich die Beetumrandung aus Holz endlich vervollständigt (zumindest an diesem Beet). Dafür nehme ich einfach 7cm starke, druckimprägnierte Rundpfähle und schneide sie, der Beetform entsprechend, mit leichter Gehrung in kurze Stücke. Anschließend werden die Enden einfach durch eine lange, diagonale Schraube verbunden. Dieses System hält zwar nicht ewig, geht aber schnell und ist relativ kostengünstig. Die Optik dieser Begrenzung gefällt mir außerdem sehr gut, ich bin kein großer Fan von Umrandungen aus Metall…

Zwischendurch gab es natürlich immer Kleinigkeiten zu erledigen… Pflanzen neu eintopfen, das unsägliche Unkrautzupfen, Rasen mähen und die Baumärkte nach Pflanzen durchstöbern 😉 Im Moment plane ich noch den Bau eines großen Rosenbogens, an dem meine neue Ramblerrose ‚Ghislaine de Féligonde‘ nach Herzenlust rambeln darf. Aber davon berichte ich dann beim nächsten Mal 🙂

LG Andreas

Christrosen

Im Winter blüht im Garten ja für gewöhnlich nicht sehr viel. Eine Ausnahme bildet die Christrose (Helleborus niger), die völlig entgegen dem Rest des Staudenbeets ab November bis März ihre Blüten zeigt. Die niedrig wachsende Staude breitet sich im Laufe der Zeit horstig über ihre Wurzeln aus und zeigt umso mehr ihrer leichten und sehr hübschen Blüten. Dass sie winterhart ist versteht sich von selbst. Am besten gedeiht die Christrose in halbschattigen bis schattigen Lagen ohne Staunässe und eignet sich als Unterpflanzung unter laubabwerfenden Gehölzen. Alle Teile der Pflanze sind giftig.

In meinem Garten habe ich bereits Christrosen, allerdings an einem eher ungünstigen Platz. Den Kauf eines weiteren Exemplars habe ich gleich zum Anlass genommen, alle Pflanzen zusammen unter eine Säulenbuche zu pflanzen. Bei Temperaturen um 6 Grad und nur leichter Bewölkung hat das Wühlen in der Erde mal wieder richtig Spaß gemacht. Nebenbei bin ich gleich noch dem Apfelbaum etwas zu Leibe gerückt.

Ich hoffe der Christrose gefällt ihr Standort und dass sie sich ordentlich ausbreitet. So kann man sich doch schon fast auf den nächsten Winter freuen 😉

LG Andreas

Das Mammut (-blatt) geht in Winterschlaf

Bei der Gunnera manicata handelt es sich um eine, man mag es kaum glauben, Staude aus Südamerika. Damit es ihr hier in Deutschland nicht ähnlich ergeht, wie ihren felltragenden Namensvettern in der Eiszeit, muss sie im Winter vor allzu strengem Frost geschützt werden.

Mammutblatt ‚Gunnera manicata‘

Mein Exemplar ist noch nicht viel größer als gewöhnlicher Rhabarber, dem sie sehr ähnlich sieht aber nicht verwandt oder verschwägert ist. Das Mammutblatt hat seinen Namen zu Recht, die ausgewachsene Pflanze wird über 2 Meter hoch und ein einzelnes Blatt kann gut 2 Meter Durchmesser haben, während die mit weichen Stacheln bewehrten Stiele 10cm Durchmesser erreichen können. Dazu braucht die Gunnera einen feuchten, sauren Boden, viel Platz und Nährstoffe, möglichst im Halbschatten. Im späten Herbst sterben alle Blätter ab und die Pflanze zieht sich in den Boden zurück, um die unglaubliche Pracht im kommenden Jahr komplett von Neuem zu entwickeln. Die kolbenartigen Blütenstände haben mit einem guten Meter Höhe ebenfalls eine recht beeindruckende Größe. Ob die Bedingungen hier in Norddeutschland und speziell in meinem Garten einen solchen Wuchs zulassen, muss sich erst noch zeigen…

Weiche Dornen am Stiel der Gunnera

Um diesen Giganten also fit für den Winter zu machen, muss der Wurzelballen gut eingepackt werden. Dazu schneide ich die Blätter nah am Zentrum der Pflanze ab und lege sie umgedreht, wie ein Dach, auf die Staude. Dadurch wird Regenwasser abgeleitet und unter dem Blätterdach entsteht ein gewisser Hohlraum für Luftzirkulation. Im Abstand von ca. 40 x 60cm stecke ich nun Rundhölzer in die Erde, bzw. hämmere sie mit der 3kg Spaltaxt in den Boden, wobei natürlich auch gleich eines der Hölzer abgebrochen ist – wo rohe Kräfte sinnlos walten… Ursprünglich hatte ich vor, eine Art Käfig aus Kaninchendraht zu bauen. Die Preise für dieses schnöde Geflecht lagen im Baumarkt allerdings in Bereichen, die mich meine Pläne nochmal überdenken liessen. Ich mag Madame Gunnera, übertreiben muss man es aber nicht 😉

Bei grösseren Pflanzen entsteht fast ein Dach aus alten Blättern

Eine andere Lösung musste her und war auch schnell gefunden. Die Haselnuss bildet beim Neuaustrieb immer lange, antennenartige Äste aus, mit denen sich ein wunderbarer „Käfig“ für das Mammutblatt flechten lässt. Zum Glück hatte ich die Zweige noch nicht mit dem Häcksler bearbeitet.

Haselnusszweige

Zum Schluss fülle ich das Gehege noch mit einer Schicht Kiefernnadeln, die durch ihre Struktur Luft an die Pflanze lassen und hoffentlich Schimmelbildung entgegenwirken. Darüber kommt dann bis oben hin Laub aus dem Garten. Mit einigen Zweigen und ein paar Steinen „verschließe“ ich das Ganze, damit die Blätter nicht herausgeweht werden.

Fertiger Winterschutz für die Gunnera

Diese Recycling-Verpackung ist kostengünstig und schnell zu errichten, bei größeren Pflanzen könnte sie sich allerdings als schwierig erweisen. Konstruktionen aus Holz, Abdecken mit Reisig und Tannengrün und einer zusätzlichen Plane oder auch Drahtgehege sind denkbar und bei einer liebgewonnenen, mehrjährigen Pflanze sicher auch angebracht.

Im Netz findest Du diverse Bilder ausgewachsener Mammutblätter, auf denen die beeindruckende Größe dieser Pflanze gut zu erkennen ist. Meist findet man sie am Rand von Gewässern, da sie Feuchtigkeit mag und braucht, ihre riesigen Blätter verdunsten eine Menge Wasser. Staunässe und hohe Feuchtigkeit im Winter werden eher nicht so gut vertragen. Im Frühjahr werde ich über das Ergebnis der Einpack-Aktion berichten und hoffentlich Fotos von einer gesunden, großen Pflanze zeigen können. Im Kübel kann man das Mammutblatt übrigens auch halten. Dieser muss im Winter allerdings sehr gut eingepackt und am besten frostfrei gestellt werden. Im Sommer muss durch die hohe Verdunstung sehr oft gegossen werden.

Hast Du auch eine Gunnera im Garten? Wie machst Du sie winterfest? Schreib mir doch Deine Methode in die Kommentare…

LG Andreas

Neue Pflanzen… mal wieder

Die Frage danach, ob nun das Ei oder doch das Huhn zuerst da war, beschäftigt die Menschen schon etwas länger. Ähnlich verhält es sich mit Staude und Beet: brauche ich ein größeres Beet, weil die Anzahl der Pflanzen es verlangt oder muss ich mehr Stauden kaufen, weil noch so viel Platz im Beet ist. Beide Fälle sind mir dieses Jahr im Garten begegnet, und die aktuelle Beeterweiterung ist ein bisschen von beidem.

Kennst Du das? Nur mal eben in den Baumarkt oder das Gartencenter fahren und gucken, was es noch so gibt. Dass es nicht beim Gucken bleibt, sondern regelmäßig in einem wahren Pflanzen-Kaufrausch endet, muss hier nicht weiter erwähnt werden…

So auch dieses Mal; in der Pflanzenabteilung des Baumarktes gibt es derzeit viele Pflanzen zum halben Preis, um das Lager für den Winter zu räumen. So sind Rhododendren, Gräser, restliche Stauden und Rosen äußerst erschwinglich.

Rhododendron
Traubenheide „Leucothoe keiskei ‚Burning Love‚ „
Purpurglöckchen „Heuchera

Der Rhododendron wird seinen Platz im Schatten der großen Eiche finden, wo sich bereits einige seiner Verwandten tummeln, zusammen mit Dickmännchen und mehreren japanischen Ahornen.

Die neue Beetfläche soll möglichst lange blühen und nicht so viel Unkraut durchlassen. Mulchen und Bodendecker sind eine ganz wunderbare Kombination, um selbiges zu erreichen. Der Storchschnabel „Ann Folkard“ blüht sehr üppig und lange und wird sich hoffentlich durch Selbstaussaat noch etwas vermehren. In diesem Fall habe ich günstige wurzelnackte Knollenware gekauft. Die zweite reich blühende Staude ist die Kaschmirminze „Pink Cat“. Sie kann das ganze Jahr gepflanzt werden und blüht ein zweites Mal, wenn die erste Blüte im Sommer zurückgeschnitten wird. Beide Stauden sind winterhart und wunderbare Bienenweiden.

Storchschnabel „Geranium procurrens ‚Ann Folkard‚ „
Kaschmirminze „Nepeta nervosa ‚Pink Cat‚ „

Beide Stauden sehen im kommenden Sommer hoffentlich etwas üppiger aus als auf den beiden Fotos 😉

In einer tollen Baumschule in Gettorf, zwischen Kiel und Eckernförde, habe ich dann noch einen gelben Perrückenstrauch entdeckt, der umgehend adoptiert wurde. Die Herbstfärbung ist wunderschön und mein roter Perrückenstrauch braucht eh etwas Gesellschaft.

Perrückenstrauch „Cotinus coggygria ‚Golden Spirit‚“

Der Platz für dieses hübsche Exemplar muss allerdings erst noch gefunden werden, was uns wieder zu der anfänglichen Frage zurückführt, was denn nun zuerst da war.

Wenn am Ende ein schöner Garten entsteht, der Herz, Auge und Bienen gleichermaßen erfreut, kommt es auf die Antwort wahrscheinlich nicht mehr ganz so sehr an 🙂

LG Andreas

So vermehrst Du Hortensien mit Stecklingen…

In diesem Beitrag möchte ich Dir zeigen, wie Du ganz einfach Deine Lieblings-Bauernhortensie durch Stecklinge vermehren kannst. Mit Rispen- und Tellerhortensien habe ich diese Methode noch nicht ausprobiert, könnte mir aber vorstellen, daß sie genau so gut mit anderen Sorten funktioniert.

In meinem Beispiel nehme ich Stecklinge von einer wunderschön und üppig blühenden dreifarbigen Hortensie aus meinem Garten.

Die beste Zeit um Stecklinge zu schneiden ist im Juli und August. Dazu schneidest Du mit einer scharfen Gartenschere einfach frische Triebe, auch ruhig mit Blüte, ab. Ältere verholzte Triebe funktionieren nicht. Die Stecklinge sollten zwei bis drei Blattpaare haben, Du kannst auch längere Triebe nehmen und daraus gleich 2 Stecklinge machen.

Frisch geschnittene Hortensienstiele

Das untere Blattpaar wird entfernt, ebenso werden die Blüten abgeschnitten; sie können wunderbar zum Dekorieren verwendet werden. Danach werden die verbleibenden Blätter um die Hälfte eingekürzt, um eine zu hohe Verdunstung zu vermeiden… die reinste Verstümmelung.

Den fertigen Stecklingen gönnen wir eine kurze Pause, am besten in Wasser gestellt. Nun wird es Zeit, das „Gewächshaus“ vorzubereiten. Ich habe dafür eine „Samla“ Box mit Deckel von Ikea verwendet, meist gibt es in jedem Baumarkt ähnliche günstige Kisten. Transparent sollte sie aus gegebenem Anlass allerdings sein. Du kannst natürlich auch ein kleines Anzucht-Gewächshaus nehmen. In den Boden der Kunststoffbox bohrst Du ein paar große Löcher, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann. Mach dabei am besten nicht den gleichen Fehler wie ich, indem Du die Löcher einfach so in die umgedrehte Kiste bohrst. Mir ist dabei das spröde Material sofort gebrochen. Mit einem Stück Holz als Bohrunterlage sollte es gut funktionieren. Anschließend füllst Du 10-15cm hoch Aussaaterde ein. Diese spezielle Erde ist nicht aufgedüngt und besonders locker und durchlässig, was Staunässe und Schimmelbildung vorbeugt.

Die Stecklinge haben sich mittlerweile hoffentlich ein bisschen von den Strapazen erholt und werden nun in Bewurzelungspulver gesteckt, so daß das untere Ende gut mit Pulver bedeckt ist. Ich habe hier den Wurzelaktivator von Neudorff verwendet. Jetzt sind unsere kleinen Zöglinge auch schon fertig vorbereitet und Du steckst sie tief in die Aussaaterde, ein Drittel des Stecklings darf unter der Erde verschwinden.

Mach ruhig mehr Stecklinge als ich in diesem Beispiel, das erhöht die Erfolgschancen.

Abschliessend wird die Erde ein bisschen gewässert, so dass sie gut durchfeuchtet ist. Am transparenten Kunststoff der Kiste kann man recht gut sehen, wie weit die Feuchtigkeit nach unten gezogen ist. Setze den Deckel drauf und suche einen geeigneten Standort für unser kleines Gewächshaus. Dieser sollte im Halbschatten sein und nur früh morgens und am Abend Sonne abbekommen. Gießen musst Du nicht sehr oft, durch den Deckel geht nicht so viel Feuchtigkeit durch Verdunstung verloren; austrocknen sollte die Erde allerdings nicht.

Das fertige „Gewächshaus“

Bei meinen Stecklingen hat es ca. 4-6 Wochen gedauert, bis sich Wurzeln gebildet hatten. Nach ungefähr 2 Monaten habe ich die kleinen Pflänzchen vorsichtig aus der Box genommen und war über den doch ansehnlichen Wurzelballen erstaunt. Alle Stecklinge sind angewachsen und hatten bereits neue Seitentriebe entwickelt.

In einzelne Töpfe gepflanzt werden die frischen Stecklinge jetzt im Gartenhaus oder im kalten Keller überwintern, bzw. dann wenn es draußen frostig wird, damit die frischen Triebe nicht abfrieren. Ich habe zum testen auch einen Steckling ins Beet gesetzt, mal sehen wie ihm der Winter bekommt. Das Bewurzeln war ein voller Erfolg, bleibt nur zu hoffen, dass die neuen Pflanzen die gleiche tolle Blütenpracht entwickeln, wie die Mutterpflanze…

Mein erster Versuch, die gleiche Hortensie zu vermehren, schlug übrigens gründlich fehl. Der Versuch bestand darin, abgeschnittene Triebe einfach in Pflanzerde zu stecken. Nach kurzer Zeit hatten alle Stecklinge die Blätter verloren und wurden braun.

Hast Du auch schon Hortensien vermehrt? Planst Du es für das kommende Jahr? Erzähl mir von Deinen Erfolgen und Misserfolgen in den Kommentaren 🙂

LG Andreas